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Edmond

Das bin ICH

My secret: I play to much with fantasy

Mein Geheimnis: Ich spiele zu viel mit meiner Fantasie

 

Teufel

Weiß ich doch nicht was ich bin…Engel oder Teufel!

Doch was ich weiß, Engel gibt es nicht.

So wie ich mich kenne

steht mir die Jacke des Teufels besser.

(Edmond Mesuli)

 

"Eigentlich rede ich nicht gerne über mich“, eröffnet Edmond das Gespräch. „Was soll ich denn schon erzählen!?“ 

Vor Edmond Mesuli liegen zwei Taschenbücher – ein Gedichtband und ein Roman. Autor der beiden Bücher: Edmond Mesuli. Im Laufe des Gesprächs wir deutlich: Im geschriebenen Wort zeigt Edmond seine Gefühle und spricht über die Dinge, die ihn wirklich beschäftigen. Doch auch während unserer Unterhaltung gibt er das ein oder andere über sich Preis – und ist am Ende selbst ganz überrascht davon. 

Edmond ist 29 Jahre alt. Vor zwei Jahren hat er aus freien Stücken seine Heimat Albanien verlassen und ist nach Deutschland gegangen. „Es ist nicht leicht, in einem Land zu schreiben, das keine Demokratie hat. Meine Kunst ist kritisch, und Albanien ist kein guter Ort für diese Kunst“, erklärt Edmond. Wir unterhalten uns auf Englisch, mit ein paar Brocken Deutsch. 

In Albanien hat Edmond Mesuli bereits einen Preis für sein Buch gewonnen: Fate pa udhё, übersetzt sozusagen Straße ohne Schicksal. „Du hast keine Wahl, du musst der Straße folgen, ganz ohne Hoffnung“, versucht Edmond den Titel zu erklären. Eine Eins-zu-eins-Übersetzung fällt ihm schwer. Im Jahr 2013 veröffentlichte er in dem Verlagshaus eines Freundes seinen Roman. Die Zusammenarbeit mit einem großen Verlagshaus war zuvor gescheitert. „Sie wollten so viel ändern und streichen, aber es ist meine Geschichte. Wenn sie zu viel ändern, dann machen sie die Geschichte zu ihrer Geschichte“, versucht Edmond mir den Wechsel ins kleine Verlagshaus zu erklären. Seine Geschichten gehen ihm Nahe, sie sind sozusagen ein Teil von ihm. Und wenn Edmond das sagt, dann meint er das auch so.

Im Mittelpunkt seines Romans Fate pa udhё steht ein Mädchen. „She was small, she had dreams, she studied to make her dreams come true – sie war klein, sie hatte Träume, sie studierte, um ihre Träume zu verwirklichen“, charakterisiert Edmond seine Hauptfigur. Doch es gibt ein Problem: Die Regierung wurde kommunistisch, und Albanien veränderte sich. Für Albaner, so erklärt Edmond, ist gegenseitiger Respekt und Loyalität sehr wichtig. Doch nach der Übernahme durch die Kommunisten wird mit diesen Werten gebrochen, es entfacht sich ein Bürgerkrieg. Die kommunistische Mafia übernimmt die Kontrolle und nimmt den Bürgern ihr Geld weg. Frauen und Mädchen werden gekidnappt und als Prostituierte verkauft. Auch das Mädchen in Edmonds Buch wird von der Mafia entführt. Auf ihrem Heimweg wird sie plötzlich in ein Auto gezerrt und landet als Prostituierte in Italien.

„Das, was mit den Frauen passiert, ist die größte Schande für Albanien. Ich spreche für die Frauen. Wenn du eine Frau verkaufst, hast du die Liebe zerstört und das Wort gebrochen“, schließt Edmond seine Zusammenfassung. 

Von 1944 bis 1990 war Albanien ein Kommunistischer Staat, und obwohl Edmond noch ein kleines Kind war, als Albaniens Sozialistische Regierung von einem parlamentarischen System abgelöst wurde, beschäftigt ihn diese Thematik noch heute. „Die Kommunisten sind einfach gekommen und haben dieses Land zerstört“, sagt er. Es ist nicht ganz klar, ob er von seinem Buch spricht oder von der Wirklichkeit. 

Schon als Kind entwickelte Edmond eine Begeisterung für Deutschland. „In Albanien sagen mir meine Freunde, ich sei ein bisschen deutsch. Ich bin oft sehr korrekt und ich mag es, mit Regeln zu leben. Es ist einfach so ein Gefühl: Ich passe hier her“, erklärt er seine Wahl. Vor fünf Jahren war Edmond zum ersten Mal in Deutschland, vor zwei Jahren ist er ganz nach Deutschland übergesiedelt. 

Sein Status: Flüchtling. Ob er in Albanien tatsächlich unter Druck gesetzt wurde oder in Gefahr war, lässt sich nicht ganz nachvollziehen. Fest steht: Edmond selbst hat sich nicht frei gefühlt. „Albanien hat ein Problem mit Autoren“, sagt er. „Du hast immer das Gefühl, belauscht zu werden. Du sagst etwas, und jemand erzählt es weiter. Du fühlst dich nicht frei, und Freiheit ist das Wichtigste für Schreiber.“ In Deutschland fühlt Edmond sich frei, hier kann er schreiben. Nur die Dunkelheit macht ihm zu schaffen. „Auch Dunkelheit erstickt die Kreativität“, sagt er. Um sich abzulenken von der Dunkelheit, spielt Edmond Fußball in Wichlinghausen, geht ins Fitnessstudio an der Gathe oder besucht die Frankfurter Buchmesse. „Ich muss aktiv sein und sehe die Welt in all ihren Farben“, erklärt Edmond. 

 

Obwohl er mit seinen Geschichten Menschen zum Weinen bringt, ist er nicht melancholisch oder eigenbrödlerisch, sondern kommunikativ und neugierig. „Ich mag es, Menschen zum Weinen zu bringen“, sagt er mit einem Zwinkern. Für ihn und seine Geschichten sind Tränen ein Kompliment. Doch um sich inspirieren zu lassen, geht Edmond raus, lernt neue Leute kennen und versucht, „den Spirit dieser Person nachzuempfinden“, wie er sagt. Mittlerweile arbeitet Edmond schon an einem neuen Roman. Sein Gedichtband hat er von einem guten Freund aus Köln ins Deutsche übersetzen lassen. Er träumt davon, auch in Deutschland seine Bücher publizieren zu können. „Bildung und Bücher sind Dinge, die die Welt verändern können.“ In Albanien hat Edmond noch als Lastwagenfahrer im Familienunternehmen mitgearbeitet, doch mittlerweile weiß er: „Ich will Bücher schreiben! Ich bin diese Straße gegangen und habe mich dort gefunden.“ 

Und am Ende unseres Gesprächs wundert Edmond sich, wie viel er doch tatsächlich über sich selbst geredet hat. 

 

Die Liebe aller Liebschaften

An einem Tag liebe ich dich,

an tausend Anderen hasse ich dich. 

Unser Leben, Hass-Liebe.

Einmal bist du mein Schatz,

dann wieder nicht.

Vergeblich,

weit weg von dir bin ich atemlos.

Ohne dich verdunkeln die Wolken die Sonne,

und die Farben des Tages

sind düster.

Was ich auch immer will,

du bist es, die mein Blut in Wallung bringt.

Vergeblich bin ich dir nachtragend,

Es trifft nicht dich die Schuld dafür,

dass deine Frucht 

dich schmäht und entweiht.

Kann man das der Mutter antun?

Du bist schön, himmlisch,

Göttin, die einen beschämt.

Arm, jedoch edel. 

Deshalb liebe ich dich wie ein Verrückter.

Du bist mein Herz, mein Himmel.

 Du bist mein Licht, mein Gott.

Ein nie endendes Lächeln.

Die einzige Liebe,

für die ich mein Leben hingäbe. 

Liebe aller Liebschaften.

Des Albaners Liebe.

(Edmond Mesuli)

Fotograf: Evangelos Rodoulis
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